Teamanalyse

Die Erfolgswelle von Lazio Rom

Lazio Rom ist eine der größten Überraschungen in dieser Serie A-Saison. Nach nunmehr siebzehn Ligaspielen ohne Niederlage (!) haben sich die Laziali in der Spitzengruppe um Krösus Juventus Turin und Verfolger Inter Mailand festgesetzt. In der 3. Episode des CREATEFOOTBALL-Podcasts gehen wir auf die Römer ein und untermauern die getätigten Aussagen in diesem Artikel mit Fakten.

Das Geheimnis von Lazio liegt in der Konstanz. Trainer Simone Inzaghi hat über dreieinhalb Jahre die Chance bekommen, eine Mannschaft aufzubauen. Er ist der Architekt des Erfolgs.

Podcast #03

Es lohnt sich, einen Blick auf die Vita vom Vater des Erfolgs Simone Inzaghi zu werfen. Der Bruder vom ehemaligen Weltklassestürmer Filippo, der nach einem missglückten Milan-Engagement inzwischen bei Benevento Calcio an der Seitenlinie steht, schlug einen konservativeren Weg bei seiner Trainerkarriereplanung ein.

Nach Ende seiner Spielerkarriere 2010 bei Lazio Rom, begann er unmittelbar im Jugendbereich als Trainer. Er sammelte dort – fernab des Drucks, der Medienwelt und der öffentlichen Aufmerksamkeit – wichtige Erfahrungen und konnte nebenbei seine Trainerlizenzen absolvieren. Über die U17 und U19 der Laziali wurde Inzaghi im April 2016 zum Interimstrainer auserkoren. Der etatmäßige Chefcoach der Saison 15/16 Stefano Pioli, der inzwischen den AC Milan betreut, wurde nach einem desaströsen 1:4 gegen den Stadtrivalen AS Rom entlassen. Inzaghis Stunde schlug, er holte auf Anhieb zwölf Zähler.

Inzaghi war ursprünglich nur eine Notlösung, weil Marcelo Bielsa nach kurzer Zeit wieder hinwarf.

Podcast #03

Trotz dieser Bilanz wurde ihm Marcelo Bielsa, bekannt als „el loco“ (der Verrückte) vor die Nase gesetzt. Diese Beziehung hielt jedoch nicht einmal zwei Wochen, da warf Bielsa bereits hin, da Versprechen hinsichtlich der Transferpolitik nicht eingehalten wurden. Lazio stand ohne Trainer da und berief Simone Inzaghi erneut. Ein Glücksgriff, wie sich herausstellen konnte. Über nun etwas mehr als dreieinhalb Jahre konnte der Italiener der Mannschaft eine klare Struktur verleihen.

So agiert Lazio Rom aus einem 3-5-2 heraus. Neun der elf Stammspieler haben bereits über 80 Ligaeinsätze absolviert, es handelt sich daher um eine eingespielte und erfahrene Mannschaft. Mit Ciro Immobile und Luis Alberto befinden sich zwei Akteure auf dem Höhepunkt ihrer Karriere und bilden ein kongeniales Duo. Durch das Fünfermittelfeld mit zwei Schienenspielern ist Lazio zudem schwer auszurechnen. Ihre Stärken liegen dabei in Steilpässen mit denen sie die Angreifer in die Tiefe schicken. Der einstige Wunderknabe Milinkovic-Savic hat zudem zu alter Form zurückgefunden und ist ein Anker in Lazios System. Insgesamt lebt Inzaghis Team von der großen mannschaftlichen Geschlossenheit und der Eingespieltheit. Selten wird im Team rotiert, was dazu führt, dass Lazio sehr konstant agiert und die Stammspieler ein hohes Selbstvertrauen an den Tag legen können.

Gleichzeitig sorgt es dafür, dass viele Stammspieler kaum Anreiz haben, transferiert zu werden. Bis auf den angesprochenen Milinkovic-Savic, Sommerneuzugang Joaquín Correa und allenfalls Thomas Strakosha befindet sich die Mannschaft in einem etwas fortgeschrittenen Alter, in dem Steigerungsmöglichkeiten rar werden. Der internationale Wettbewerb, die Stadt Rom und eben die angesprochene Garantie auf Einsätze machen Lazio sehr attraktiv, birgen jedoch auch Gefahren. So werden Neuzugänge, die für mehr Kaderbreite sorgen könnten, eher abgeschreckt.

Probleme bestehen bei Lazio Rom in der Breite des Kaders, die nicht ausreicht, um in allen Wettbewerben auf Top-Niveau spielen zu können.

Podcast #03

Denn hier liegt das große Problem von Lazio Rom. Die zweite Garde weist qualitative Lücken auf, die punktuell durch Einsatz und Teamgeist wettgemacht werden können, über einen längeren Zeitraum jedoch zu ernsten Problemen führen könnten. Insbesondere die Innenverteidigung ist vergleichsweise individuell schwach besetzt – wenn man den Vergleich zu Juve (Chiellini, Bonucci, de Ligt…) oder Inter (Skriniar, Godín, de Vrij…) zieht.

Parallelen von Lazio zu Napoli unter Sarri werden sichtbar: Wenig Rotation, viele Automatismen und ein „Abschenken“ des europäischen Wettbewerbs.

Podcast #03

Das hat auch zur Folge, dass in der Europa League nicht performt wurde. Mit sechs Punkten aus sechs Spielen kam Lazio nicht über die Gruppenphase in einer recht ausgeglichenen Gruppe mit Celtic, Rennes und Cluj hinaus.

Das alles soll allerdings die hervorragende Leistung von Trainer Inzaghi und dem Management um Sportdirektor Igli Tare nicht schmälern. Lazio ist es gelungen Konstanz in die Kaderplanung, die Trainerposition und das sportliche Abschneiden zu bekommen. Belohnt wurden sie mit dem Pokalsieg 2018/2019 sowie dem Superpokalsiegen 2017/2018 und 2019/2020. Gespannt darf man beobachten, wie es Lazio Rom gelingt, die Kaderbreite zu erhöhen, junge Spieler ins Aufgebot zu integrieren ohne den Teamspirit von dem sie leben, zu gefährden.

Kommentar verfassen