Spielanalyse

FC St. Pauli vs. SpVgg Greuther Fürth

FC St. Pauli vs. Greuther Fürth 1:3 (1:2), Millerntor-Stadion, 02.08.2019

Heimteam St. Pauli hat in der Woche zuvor beim Saisonauftakt in Bielefeld ein gutes Spiel absolviert, der Ausgleich der Arminia fiel erst kurz vor Abpfiff. Die Medienschelte von Coach Jos Luhukay, der bei einer Pressekonferenz verlauten ließ, dass siebzig Prozent seines Kaders keine fünfzehn Spiele absolvieren könne, ließ das Team scheinbar enger zusammenrücken. Eine Gesamtlaufleistung von 117 Kilometern suggeriert dies zumindest.

Gegner Fürth hat in der Sommerpause einen Teil des Kaders ausgetauscht: Acht Zugängen stehen neun Abgängen gegenüber. Das 0:2 zum Start daheim gegen Erzgebirge Aue war trotz des Umbruchs ein Dämpfer. Obwohl die Franken in jenem Match 24 Schüsse abgaben, konnten sie keinen Treffer erzielen. Das Gegenteil sollte ihnen an diesem Freitagabend gelingen.

Grundordnung St. Pauli

Der FC St. Pauli startete in einem 4-1-4-1. Im Vergleich zum Saisonauftakt gab es drei Änderungen: Der angeschlagene Hornschuh blieb auf der Bank, während Yi-Young Park und Finn-Ole Becker nicht im Kader standen. Becker, der in den letzten Saisonspielen 2018/19 auf sich aufmerksam gemacht hat, laborierte an einer Wadenverhärtung.

Grundordnung Greuther Fürth

Die Fürther entgegneten ebenfalls ein 4-1-4-1. Die erfahrenen Innenverteidiger Mavraj (33) und Caligiuri (35) sollten die Defensive stabilisieren, während das sehr variable Trio Mohr, Green und Stefaniak hinter Sturmspitze Keita-Ruel für Überraschungsmomente sorgen sollte.

Spielanalyse

St. Pauli mangelte es im gesamten Spielverlauf an guten Aufbauspielern. Der Abgang von Jeremy Dudziak (HSV) und der verletzungsbedingte Ausfall von Becker wogen schwer. Youngster Hoffmann, der sein Startelfdebüt auf der 6 gab, hatte große Probleme beim konstruktiven Spielaufbau. Viele seiner Pässe, insbesondere die in der Fürther Hälfte wurden abgefangen. Gleichwohl gelang es ihm, selten den Ball im Zweikampf zu verlieren, indem er seinen Körper gut einsetzte und risikoscheu den Rückpass wählte. Die beiden 8er Möller-Daehli und Miyaichi offenbarten Schwächen in der Defensivarbeit, welche sich durch ihre mangelnde Robustheit verstärkte. Immer wieder gelang es den Fürthern an den Strafraumecken einen sauberen Spielzug durchzuführen. Offensiv konnte lediglich Möller-Daehli hin und wieder für Akzente sorgen. Seine enge Ballführung im Dribbling zeichnen ihn aus. Probleme offenbarte er jedoch in der Übersicht. Mehrfach verpasste der Norweger den optimalen Moment für das Abspiel auf einen Mitspieler und stürzte sich in das nächste 1vs1-Duell. So auch vor dem Treffer zum 1:3, der das Spiel letztlich zugunsten der Kleeblätter entschied. Interessant waren die verschiedenen Grundformationen, zwischen denen St. Pauli im Verlaufe des Spiels variierte.

Früh in der ersten Hälfte stellten sie bei einem Fürther Abstoß auf ein 5-2-1-2 um. Dadurch sollte ein flacher Aufbau der Gäste im Keim erstickt und die Flügel gesichert werden. Insbesondere Zielspieler Daniel Keita-Ruel, der gerne bei langen Bällen auf die Flügel auswich, um sich den kopfballstarken Avevor und später Hornschuh zu entziehen, sollte so Probleme bekommen, nach einem langen Abschlag von Burchert den Ball in der gegnerischen Hälfte zu sichern.

Um den eigenen Spielaufbau zielführender zu gestalten, wurden im zweiten Durchgang zwei Varianten getestet. Zunächst ließ sich Möller-Daehli im Ballbesitz zwischen die Innenverteidiger fallen, um mit seiner Technik Angriffe zu initiieren. Hoffmann rückte dafür eine Position auf die Acht vor. Da dies weitgehend verpuffte, stellte Luhukay auf ein 4-2-3-1 um. Die höhere Anzahl an Anspielstationen im Aufbau führte jedoch nicht zu mehr Kreativität, St. Pauli fand in der 2. Halbzeit kein spielerisches Mittel gegen die kompakten Fürther.

Lediglich 40 Prozent Ballbesitz (im Spiel gegen Aue waren es 62 Prozent) untermauern die defensive Grundausrichtung der Gäste. Gepaart mit einer großen Effizienz vor dem gegnerischen Tor, aber auch der schnörkellosen Spielweise, gelang es der Elf von Stefan Leitl, St. Pauli schachmatt zu setzen. Dazu kam das nötige Matchglück, da Miyaichi bei seiner Top-Chance zum möglichen 2:2-Ausgleich (59′ Minute) an Keeper Sascha Burchert scheiterte. Insgesamt gelang es St. Pauli zu selten ihre Tempovorteile der schnellen Conteh, Miyaichi oder Diamantakos gegenüber den vergleichsweise langsamen Innenverteidigern der Gäste auszuspielen. Stattdessen konnten jene sich durch gute Antizipation, Stellungsspiel und Orientierung behaupten und ließen nach dem Treffer zum 3:1 nichts mehr anbrennen.

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