Spieleranalyse

Top 7 Special (1/2)

Im diesjährigen Sommerspecial werden die 7 aufstrebendsten Akteure der Serie A beleuchtet. Wie immer gilt das Motto: No-Names statt Mainstream. Akteure wie Ous Dembélé, Gianluigi Donnarumma oder Dele Alli wird man daher vergebens in diesen Artikeln suchen.

Alex Meret

Die letzten Spielzeiten liefen für Udinese Calcio eher unbefriedigend. Die letzte Europacup Teilnahme ist nun bereits vier Jahre her und die vergangenen Saisons waren ernüchternd. Doch: Auf der Torwartposition haben die Italiener aus dem Nordosten ihres Landes eine rosige Zukunft: Mit Simone Scuffet und Alex Meret stehen zwei absolute Hochkaräter in den Startlöchern. Letzterer wurde mangels kurzfristiger Perspektive an Serie B Aufsteiger SPAL Ferrara verliehen und prompt gelang ihm dort der Durchbruch. Als Meister gelang SPAL der direkte Durchmarsch in die Serie A. Mit lediglich 26 Gegentreffern in dreißig Einsätzen und 11 Zu-null-Spielen avancierte der 20-jährige zum Aufstiegshelden. Mit 1,90 Metern Körpergröße hat der Italiener Gardemaß und ist trotz dessen schnell am Boden. Zu seinen größten Stärken zählen seine Reflexe auf der Linie und seine Strafraumbeherrschung. Im kommenden Sommer steht wohl ein erneuter Vereinswechsel an: Seine Leihe endet und sein Kontrakt bei Udine läuft im Sommer 2018 aus. Längst stehen Interessenten Schlange, darunter Napoli, Juve und Liverpool. Für 10 Millionen ist der Youngster zu haben, heißt es. Der schlaksige Linksfuß ist dabei ganz sicher eine Investition in die Zukunft.

Antonio Barreca

Der Mann vom FC Torino war eine der Neuentdeckungen der Saison. Er gehört zu den wenigen Spielern, die völlig unter dem Radar geblieben sind – bis zu ihrem Durchbruch. Der Linksverteidiger wurde in den vergangenen zwei Jahren zweimal in die Serie A verliehen. Zunächst nach Cittadella anschließend lief der heute 22-jährige für Cagliari auf. Nach 53 Einsätzen im Unterhaus gelang ihm diese Saison der Sprung in die erste Mannschaft von Torino, wo er auch ausgebildet wurde. Nun bestritt er direkt 28 Serie A-Partien, fast alle davon über die vollen 90 Minuten und verdrängte dabei Altmeister und Ex-Stuttgart-Profi Cristian Molinaro auf der Linksverteidigerposition. Zu seinen Stärken gehört seine Konzentration, er ist defensiv sehr fokussiert und begeht wenig Fehler. Außerdem hat er eine hohe Quote, was das Blocken von Schüssen oder Flanken angeht. Sein Trainer Sinisa Mihajlovic setzt auf ihn, betont, er dürfe Fehler machen, da es seine erste Saison auf Top-Niveau ist. Der Linksfuß verfügt über eine atemberaubende Grundschnelligkeit, einen tollen Antritt und ist technisch versiert. Auch seine Ausdauer ist stark, nicht selten zieht er auch in der 88. Spielminute einen Sprint an. Jedoch kamen lediglich zwei Torvorlagen zustande. Ein Punkt, den er sicher noch verbessern kann. Eine weitere Saison in Turin täte ihm sicher gut, seine Hoffnungen, bald für die Squadra Azzurra nominiert zu werden sind – mangels überzeugender Konkurrenz – berechtigt. Auch für den U21-Nationalspieler gilt: Juve, Inter, AC und Napoli haben ein Auge auf ihn und seine Entwicklung.

Pol Lirola

Der junge Spanier ist mit Sicherheit für die meisten Leser kein Unbekannter, doch die Hintergründe zu ihm sind sicher nur Wenigen bekannt. Lirola stammt aus der Jugend von Espanyol Barcelona und wechselte für 650.000 Euro zur U19 Auswahl der Alten Dame, also zu Juventus Turin. Ein Jahr später wurde er für zwei Jahre an US Sassuolo verliehen. Ein Deal, der sich bislang für beide Seiten voll rentiert hat. Bei der Mannschaft von Eusebio di Francesco konnte Lirola erste Europacup-Erfahrungen sammeln und bestritt dort alle sechs Gruppenspiele. Hinzu kommen zweiundzwanzig Apparizioni, wie es im Italienischen heißt. Der Rechtsverteidiger ist enorm schnell, spielt präzise Pässe und ist mit zarten 19 Jahren noch blutjung. Gerne probiert er Steilpässe, um hinter die gegnerische Verteidigung zu gelangen, gleichwohl sind seine Dribblings eine Augenweide. Er ist zudem robust genug für gute Tacklings. Trotz seiner passablen Körpergröße von 183 Zentimetern offenbart Lirola Schwächen in Luftzweikämpfen. Seine vier Vorlagen unterstützen hingegen seine offensive Ausrichtung. 2018 endet sein Leihvertrag mit der Neroverdi, er kehrt zu Juve zurück. Denkbar, dass er dort verbleibt, angesichts der alternden (Dani Alves und Stephan Lichtsteiner), der formschwachen (Cuadrado) und der verletzten Konkurrenz (Pjaca).

Lucas Torreira

Auch er ist wie Barreca einer der Spieler, die nur wenige vor der Saison auf dem Schirm hatten. In einer deutlich verjüngten Sampdoria-Mannschaft ragte Lucas Torreira heraus. Der heute 21-jährige kam vor zwei Jahren für zwei Millionen Euro aus Pescara, die an dieser Stelle ein Lob für ihre unglaubliche Jugendarbeit verdient haben. Torreira stammt aus Uruguay und hat sich mit seinen konstanten Leistungen einen Namen gemacht. Er ist ligaweit einer der Spieler mit den meisten Interceptions, also den meisten Balleroberungen. Ein starkes Passspiel und ein sehr gutes Zweikampfverhalten machen den 1,67 Meter kleinen Giftzwerg zu einem kompletten Spieler. Dass er seine Körpergröße Nachteile bei hohen Bällen mit sich bringt, dürfte nicht sonderlich verwundern. Über 3.000 Einsatzminuten stehen dem zentralen Mittelfeldspieler in dieser Spielzeit zu Buche, ein überragender Wert. Das Geheimnis des Senkrechtstarters liegt zum einen in seiner Agilität, zum anderen in seinem für sein Alter bemerkenswerten Spielverständnis. Auch offensiv kann Torreira Akzente setzen, kurbelt das Spiel von „Samp“ aus der Tiefe heraus an. Selbstverständlich wecken seine Leistungen Begehrlichkeiten: Sevillas langjähriger Sportdirektor Monchi ließ ihn oft beobachten, möglich dass er Torreira nun zur Roma lotst, insbesondere, nachdem Transferziel Franck Kessié sich für Milan entschieden hat. Auch Marseille und weiterhin Sevilla sind an einer Verpflichtung interessiert.

Nicolò Barella

Der Mann, der in der Aufstiegssaison 2016/17 an den späteren Absteiger Como Calcio verliehen war, dreht eine Spielklasse höher voll auf. Das Eigengewächs von Cagliari bestritt 28 Serie A Partien und war nur von Verletzungen und Sperren von mehr Einsätzen abzuhalten. Der italienische U20-Nationalspieler, der sich im zweiten Gruppenspiel der diesjährigen U20-WM das Handgelenk brach, ist im zentralen Mittelfeld zuhause. Barellas Stärken liegen im Dribbling, das ihm oft einen Vorteil verschafft und er somit oft gefoult wird. Allerdings teilt er auch ordentlich aus, kassierte neun gelbe Karten und flog einmal vom Platz. Eine Menge Potenzial deutet er an, besonders im letzten Heimspiel gegen Empoli, zeigte er eine couragierte Leistung. Wenn er insgesamt auf ein höheres Level kommt, dann wird schon im Sommer 2018 ein Wechsel infrage kommen. Aktuell erscheint ein weiteres Jahr Cagliari als sinnvoll. Der AC Mailand soll ihn auf dem Zettel für spätere Transferperioden haben.

Jakub Jankto

Wie Antonio Barreca kam auch Jankto in den Genuss eines Leih-Jahres in der Serie B. Vor zwei Saisons wurde er an Ascoli verliehen, nachdem er im Alter von 18 Jahren in die U19 von Udine – wie Meret – eingegliedert wurde. Und Udine, das zum Pozzo-Imperium gehört, hatte ein goldenes Näschen: Der Tscheche kam mit fünfunddreißig Einsätzen im Gepäck aus Ascoli zurück und schlug bei Udinese Calcio voll ein. Der 21-jährige kann sowohl im zentralen als auch im linken Mittelfeld spielen, zudem stellt er eine gute Option als Linksaußen in einem 3-5-2 dar. Der Jung-Nationalspieler bestritt die meisten Partien in der Zentrale, wo er aufgrund seiner enormen Schnelligkeit eine echte Waffe im Umschaltspiel ist. Fünf Tore und vier Vorlagen (bei Ascoli: 5/9) sind zudem eine gute Bilanz für einen Zentrumsspieler. Der Linksfuß verfügt über ein gutes Kurzpassspiel, dazu schlägt er gute Flanken und ist der Mann für sämtliche Standardsituationen. Verbessern kann er sich in Luftduellen und allgemein in Tacklings. Erst im April hat Jankto seinen Kontrakt ausgeweitet, er wird also mit hoher Wahrscheinlichkeit noch mindestens ein Jahr bleiben. Gerüchten zufolge haben Arsenal, Leicester, Bournemouth, AS Roma sowie Inter Mailand den Tschechen auf der Scoutingliste.

Riccardo Orsolini

Der 20-jährige Orsolini ist neben Meret die Neuerscheinung schlechthin der diesjährigen Serie B Saison. Mit atemberaubenden Dribblings und einer guten Scorerquote drehte der Youngster mächtig auf. Die Scouts von Juve waren derart begeistert von ihm, dass sie ihn bereits im Winter unter Vertrag nahmen. Sechs Millionen überweist der Double-Sieger von 2017 nach Ascoli und lieh ihn umgehend für den Rest der Saison dorthin aus. Acht Tore und sechs Vorlagen steuerte der technisch begnadete Linksfuß bei, der vornehmlich über die rechte Offensivseite kommt. Er verfügt über einen tollen Antritt und jegliches Rüstzeug um knifflige Situationen spielerisch lösen zu können. Ob er bei Juve die nötige Spielpraxis erhält ist stark zu bezweifeln, ob der großen Konkurrenz und – vor allem wegen des Systems. In einem möglichen 3-5-2 kommt keine Position für Orsolini in Betracht. Ein Leihgeschäft zu einem Serie A Klub, der nicht um den Titel mitspielt, erscheint als eine logische Lösung. Der Juniorennationalspieler weilt derzeit wie Barella bei der U20-WM bei der er bereits drei Tore erzielen konnte und Italien so ins Viertelfinale beförderte. Die Liste der Interessenten wird dadurch sicher nicht geringer, besonders Europa-League-Teilnehmer Atalanta Bergamo zeigt Interesse am Dribbelkünstler. Sein Berater frohlockte gestern euphorisch:

Orsolini? Das Publikum entdeckt erst jetzt seine Klasse, aber ich wusste es schon seit geraumer Zeit. Ich bin sicher, dass er auch in Juventus‘ Team einen wichtigen Platz einnehmen wird.

Donato di Campli, Spielerberater

Hiermit endet der erste Teil des diesjährigen Sommerspecials TOP 7. Weitere Kandidaten, die zur Auswahl standen, in dieses 7er-Team berufen zu werden, waren: Andrea Conti (Bergamo), Federico Dimarco (Empoli), Manuel Locatelli (Milan), Assané Diousse (Empoli), Marko Pjaca (Juventus) und Giovanni Simeone (CFC Genua).

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