Spieleranalyse

Top 7 Special (2/2)

Im diesjährigen Sommerspecial werden die 7 aufstrebensten Akteure der Ligue 1 beleuchtet. Wie immer gilt das Motto: No-Names statt Mainstream. Akteure wie Ous Dembélé, Gianluigi Donnarumma oder Dele Alli wird man daher vergebens in diesen Artikeln suchen.

Malang Sarr

Gemeinsam mit seinem Verein OGC Nizza spielte der 18-jährige eine bärenstarke Saison, die nur von Monaco und den finanzstarken Parisern, die über den dreieinhalb-fachen Etat verfügen. Mit stolzen 11 Punkten Vorsprung sicherte sich die Mannschaft von Lucien Favre den dritten Tabellenplatz. Mit gerade einmal sechsunddreißig Gegentreffern stellte man zugleich die 3. beste Defensive. Malang Sarr bestritt 27 Partien, davon fünfundzwanzig von Beginn an, in denen OGC zehnmal ohne Gegentor blieb. Hinzu kommen Einsätze in der Europa League Gruppenphase, die gewissermaßen eher unbefriedigend verlief. Der Mann aus der eigenen Jugend misst 1,82 Meter und ist Linksfuß, was vor allem für die Spieleröffnung eine besondere Bedeutung hat. In Nizzas 3-5-2 bekleidet der Youngster den linken Part in der hinteren Dreierkette. Seine Stärken? Der rechte Fuß ist gut ausgebildet, was ihm in schwierigeren Situationen Vorteile verschafft. Zudem verfügt er über eine gute Schnelligkeit und Antritt, er ist trotz seiner Größe bemerkenswert kopfballstark und hat ein herausragendes Zweikampfverhalten. Durch die taktische Ausrichtung erscheint sein Passspiel stark, was jedoch in erster Linie daran liegt, dass es seine Aufgabe ist, das Spiel zu verlagern (links auf Dalbert oder über Dante auf die rechte Seite). Aufgrund seines sehr jungen Alters wird er höchstwahrscheinlich noch mindestens 1-2 Jahre in der französischen Hafenstadt bleiben, ehe er sich für höhere Aufgaben berufen fühlt. Das Potenzial dazu besitzt Sarr, der auch für die Position des Linksverteidigers infrage kommt, allemal.

Ich will mit dem Verein wachsen!

Malang Sarr

Wylan Cyprien

Genau wie seinen Teamkollegen. Cyprien spielte eine formidable Saison und wie bereits bei Sarr angeklungen, so würden alle in Frankreich nur von der blutjungen Nizza-Mannschaft schwärmen, gäbe es Monaco nicht. So aber lautet die Antwort meist „Bakayoko“ oder „Fabinho“ wenn man nach dem besten Mittelfeld-Newcomer der Ligue 1 fragt. Wylan Cyprien war der Mittelfelddynamo im Team von Nizza und bildete mit Jean-Michael Seri ein unglaublich starkes Mittelfeld-Gespann und stibitzte damit dem Raketenstarter des Vorjahres Olivier Koziello den Stammplatz über weite Strecken der Saison. Cyprien erzielte acht Treffer und gab drei Vorlagen und war der Taktgeber im Mittelfeld. Besonders sein sehenswertes Freistoßtor gegen PSG bleibt in Erinnerung. Gut denkbar, dass er seine Torausbeute erweitert hätte, wenn er sich nicht im Match gegen Caen Anfang März das Kreuzband gerissen hätte. Bitter für den formstarken 22-jährigen, dessen Kritiken durchweg positiv ausfallen. Es gibt kaum etwas zu beanstanden an ihm, ein sehr gut ausgebildeter Spieler, sehr komplett. Für Nizza zunächst eine Hiobsbotschaft, doch bedeutet seine Verletzung vermutlich auch, dass er dem Team ein weiteres Jahr erhalten und ab September wieder zur Verfügung steht. Zu seinen größten Vorzügen gehören seine Ballkontrolle sowie seine Agilität, mit der er Nizza enorm hilft. Die 5 Millionen Euro Ablösesumme, die Nizza für ihn im Sommer 2016 nach Lens überwies waren eine starke Investition. Inzwischen ist Cyprien, dessen Wurzeln in Guadeloupe liegen, mehr als das Dreifache wert. Mit Atletico Madrid und Manchester City sind zwei Vereine an ihm interessiert und auch Paris Saint-Germain sollten seine Qualitäten überzeugt haben. Ein so ausbalancierter Akteur, der Stärken in allen Bereichen besitzt, ist für jeden Top-Klub eine heiße Nummer.

Ludovic Blas

Eine weitere Neuentdeckung der Saison ist Ludovic Blas. Der 20-jährige spielte für EA Guingamp und landete auf einem soliden zehnten Platz und nur einen Punkt hinter Rang 7. Eine tolle Saison für die Gallier, die traditionell nur über einen kleinen Etat verfügen und zudem den Trainer und Erfolgscoach Jocelyn Gourvennec nach Bordeaux ziehen lassen mussten. Beheimatet ist der Youngster im rechten Mittelfeld, ist dabei Linksfuß und somit das französische Pendant zu Kai Havertz, auch wenn sich beide Spielertypen in einigen Punkten unterscheiden. Blas ist enorm antrittsschnell und verfügt über ein gutes Auge, welches er im Einklang mit dem technischen Werkzeug, das er besitzt, oft gewinnbringend einsetzt. Der französische U20-Nationalspieler spielt den Ball gerne flach und zieht so ein Kombinationsspiel auf. Auch seine Distanzschüsse sind durchaus gefährlich. Trotz seiner technischen Stärken ist sich Blas nicht zu schade, auch defensiv einen wichtigen Part einzunehmen, was ihm Pluspunkte beim Trainer beschert. Der 1,80 Meter große Blas kann ebenfalls im Zentrum eingesetzt werden (wie Havertz) und es ist noch unklar, auf welcher Position er künftig den ganz großen Durchbruch schafft.

Francois Kamano

Blas Ex-Coach Gourvennec spielt auch für das nächste Talent eine Rolle und zwar für Francois Kamano von Girondins Bordeaux. Der 21-jährige Guineer war einer – wenn nicht gar der auffälligste Akteur im Team der Südwestfranzosen, die die Saison auf Rang 6 abschlossen und damit die Gelegenheit haben, sich für die Europa League zu qualifizieren. Der quirlige Kamano war über weite Strecken der Saison ein ständiger Unruheherd  in der gegnerischen Hälfte und spielte sich trotz seiner zugegebenermaßen spärlichen Ausbeute von sechs Toren und vier Assists ins „Flutlicht“. Mit seinen Dribblings schaffte er es immer wieder in Abwehrformationen Lücken aufzureißen und so Treffer einzuleiten. Die mangelnde Effizienz ist auch darauf zurückzuführen, dass bei Girondins kein Spieler zweistellig traf. Der Uruguayer Diego Rolán blieb unter seinen Möglichkeiten und der junge Gaetan Laborde hatte Licht und Schatten in seinen Auftritten. Von Kamanos Dribblings kann man daher noch einiges erwarten kommende Saison. Bereits in der Spielzeit 15/16 wusste der Wirbelwind einige Akzente zu setzen im Trikot von Bastia, ehe er für marktwertgerechte 2,5 Millionen Euro nach Bordeaux transferiert wurde. Ein guter Fang, denn es würde nicht überraschen, wenn sich Kamano künftig als effizienter erweist und damit das Interesse größerer Klubs auf sich zieht.

Ich versuche Gefahr im gegnerischen Strafraum zu bringen. Ich habe mich ein wenig verbessert, bekomme keine unnötigen Platzverweise mehr. Ich versuche einfach, fair zu sein, zu spielen; das ist, was der Trainer verlangt. Und wenn es darum geht, einen Unterschied im eins gegen eins auszumachen, dann bin ich da.

Francois Kamano

Amine Harit

Ein weiterer Kreativspieler ist Amine Harit vom dritten Überraschungsteam von Nantes, die einen respektablen siebten Platz – vor Vereinen wie Saint-Etienne oder Stade Rennes – ergattern konnten. Harit wirkte bei dreißig Partien mit, schoss jedoch nur ein Tor und gab eine Vorlage, etwas wenig für einen Spielmacher, der häufig über die linke Offensivseite kommt. Der Franco-Marokkaner startete gut, verpasste an den ersten 12 Spieltagen lediglich sieben Spielminuten. In der Rückrunde gab es dann jedoch oft vorzeitige Auswechslungen. Schalke 04 bekundet starkes Interesse an dem Rechtsfuß, der bisweilen etwas eigensinnig agiert und von der Defensivarbeit nicht sonderlich viel hält. Dafür ist er offensiv flexibel einsetzbar, sein Spielertyp ist eine Mixtur aus Namensvetter Amin Younes und Schalkes abtrünnigem Max Meyer, den er vermutlich ersetzen soll. Mindestens ein weiteres Jahr in Nantes täte ihm allerdings sicher gut, um weiter zu reifen und sein Scorerkonto etwas aufzupeppen, denn für einen reinen Offensivspieler sind zwei Torbeteiligungen in 30 Partien nicht gerade sexy. An seinem Potenzial bestehen jedoch kaum Zweifel, so durchlief Harit sämtliche U-Nationalmannschaften und darf sich U19-Europameister nennen. Als Ablöse sind derzeit 12 bis 15 Millionen im Gespräch, eine ganze Stange Geld für einen 19-jährigen nach erst einer Profisaison.

Marcus Coco

Er spielt wie Ludovic Blas bei EA Guingamp, genannt den Galliern, und dort ebenfalls auf der Außenbahn. Genau wie er besitzt auch er Wurzeln in Guadeloupe, anders als sein Teamkollege ist Coco ein reiner Flügelspieler, der mehr über Flankenläufe und Geschwindigkeit kommt als der technisch beschlagenere Blas. Coco ist enorm agil, schnell und kann auch Rechtsaußen und im Sturmzentrum agieren, wo ihm allerdings die nötige Durchsetzungsfähigkeit etwas fehlt. Der 20-jährige spielte eine gute Saison, kam in 34 Partien zum Einsatz und steuerte vier Treffer sowie drei Vorlagen bei. Das linke Pendant zu Blas versucht oft, die Abwehr zu überlaufen und kann dabei meist nur per Foul gestoppt werden. Gelingt ihm dieses Unterfangen jedoch, so zieht er mit Vorliebe nach innen und hat mit seinem starken rechten Fuß alle Optionen. Er erinnert an Anthony Martial in seiner Debütsaison in Monaco, dessen physische Qualitäten auch erst nach seinem Wechsel nach England zum Vorschein kamen. Coco könnte schon im Sommer ein heißes Thema bei Vereinen wie Marseille, Lyon, St. Etienne oder Bordeaux werden, die allesamt finanzstärker und ambitionierter sind als sein Heimatverein Guingamp, der bereits Spieler wie Laurent Koscielny oder Gianni Imbula hervorbrachte und über eine hervorragende Jugendarbeit verfügt. In den englischen Medien wird zudem gemunkelt, dass Coco bei Premier League Aufsteiger Newcastle United und Rafa Benitez sehr hoch im Kurs stehen soll.

Yann Karamoh

Zu guter Letzt soll ein Akteur vorgestellt werden, der von den heutigen sieben Akteuren die höchste Einsatzquote hat: Yann Karamoh. Der 18-jährige Franzose, der in der Elfenbeinküste zur Welt gebracht wurde, bestritt 35 Partien für SM Caen, die sich bei Bordeaux bedanken können, dass sie nicht am letzten Spieltag auf den Relegationsrang gerutscht sind (jene holten ein 1:1 bei Lorient, obwohl es für sie um nichts mehr ging, gleichzeitig sicherte sich SM ein überlebenswichtiges 1:1 bei PSG). Karamoh war die größte Positiverscheinung der Saison für Caen, die einst N’Golo Kanté hervorbrachten. Wie Marcus Coco kann auch Karamoh sowohl auf beiden Flügeln als auch im Sturmzentrum agieren und ist dabei enorm antritts- und sprintstark. Seine tollen Leistungen hatten sogar eine Berufung in die U21 zur Folge (man bedenke hierbei, dass er auch U19 spielen könnte) und dies für Frankreich, die eine sehr hohe Dichte an jungen  verheißungsvollen Talenten haben. Sicherlich ist Karamoh noch nicht so weit wie Ous Dembélé als er nach einer überragenden Saisonhälfte für Stade Rennes nach Dortmund wechselte, doch schon in 1-2 Jahren könnte er eine ähnlich rasante Entwicklung nehmen. Wer ihn spielen sieht, der wird nicht leugnen können, dass eine gewisse Ähnlichkeit besteht: Präzise Flanken, schlaksige Statur, gute Übersicht, Schnelligkeit sowie der Mut 1 gegen 1 Situationen zu suchen und erfolgreich zu bestreiten zeichnen den Teenie aus. Längst wird Karamoh auch mit internationalen Vereinen in Verbindung gebracht, die allesamt nach Ous Dembélé 2.0 fahnden. Wieder ist Newcastle ein Interessent, die seinen Spielertyp suchen, ebenso Monaco und der einst ruhmreiche AS Saint-Etienne. Karamoh selbst ist eng mit Kylian Mbappé befreundet, die im selben Jahrgang sind. Da sein Kontrakt in Caen 2018 ausläuft, könnte schon im Sommer ein Wechsel anstehen, um eine Ablöse im hohen einstelligen Bereich zu generieren. Das 18-jährige Top-Talent selbst sagt im Exklusiv-Interview mit goal.com:

Wenn ich die Wahl hätte, dann würde ich nur zu einem Klub gehen, bei dem ich auch spielen kann. Ich will nicht zu Monaco gehen, nur um dort verliehen zu werden. Ich will zu einem Klub gehen, bei dem ich mich auch weiterentwickeln kann.

Yann Karamoh

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