Spielanalyse

FC Augsburg vs. Union Berlin

FC Augsburg vs. Union Berlin 1:1 (0:0), WWK-Arena, 24.08.2019

Grundordnung Augsburg

Schon am 2. Spieltag stand ein richtungsweisendes Spiel für den FCA an. Die Fuggerstädter kamen mit 1:5 in Dortmund unter die Räder und verpflichteten daraufhin mit Tin Jedvaj und Stephan Lichtsteiner zwei Profis, die sofort ihr Startelfdebüt gaben. Der wiedergenesene Max und der gelernte Sechser Rani Khedira komplettierten die neu zusammengestellte Abwehrkette. Weiter vorn erhielt Ruben Vargas den Vorzug vor U21-Shootingstar Marco Richter.

Grundordnung Union Berlin

Auch die Elf von Urs Fischer startete denkbar unglücklich in die Saison und zahlte beim 0:4 gegen RB Leipzig Lehrgeld. Angesichts des kommenden Gegners Dortmund musste dringend gepunktet werden. Offensiv gab es mit Becker, Ingvartsen und Ujah gleich drei Veränderungen gegenüber dem 1. Saisonspiel.

Spielanalyse

Beide Mannschaften agierten in der 1. Halbzeit etwas abwartend. Union war darauf bedacht, sich keinen unnötigen Ballverlust zu leisten, was gegen Leipzig zum frühen K.O. führte. Alle Abstöße wurden lang Richtung Bülter/Ingvartsen geschlagen, verlängert, sodass Ujah Tempo aufnehmen konnte. Ein simples Mittel, was jedoch punktuell für Gefahr sorgte. Augsburg hingegen spielte überraschenderweise kein aggressives Pressing, was Coach Martin Schmidt normalerweise auszeichnet. Neuzugang Tin Jedvaj schlug mehrere schöne Vertikalflanken auf Hahn, Niederlechner und Vargas und überspielte so das Unioner Mittelfeld. Deren anschließende Flanken in die Box brachten jedoch keinen Ertrag. Allgemein fehlte Augsburg ein technisch starker 6er oder 8er. Daniel Baier kommt zunehmend aus der Tiefe und ließ sich im Aufbauspiel teils zwischen die Innenverteidiger fallen. Carlos Gruezo hat seine Stärken gegen den Ball, was nicht bedeutet, dass er technisch schlecht sei. Er ist jedoch kein Spieler, der konstruktiv und mit Übersicht den Spielaufbau gestaltet. Michael Gregoritsch hatte kaum Bindung zum Spiel und ließ sich folglich fallen, was jedoch zu einem Vakuum im offensiven Mittelfeld führte. Der pressende Stürmer Florian Niederlechner ging weite Wege, ihm fehlten jedoch oft Anspielstationen. Zum Ende der 1. Halbzeit hatten die Gäste ein Übergewicht, was am Tausch der Flügelspieler lag: Bülter und der robuste und pfeilschnelle Becker wechselten die Seiten, sodass Becker das 1 gegen 1 gegen den langsameren Lichtsteiner suchen konnte und sich mehrfach durchsetzen konnte. Unverständlich, warum Fischer das erzeugte Missmatch anschließend wieder rückgängig machte. Augsburg wollte in Hälfte zwei mutiger agieren und ließ zugleich Taten folgen. Der umtriebige Vargas nutzte sein feines Gespür für Räume und seine gute Technik, um sich in Szene zu setzen. Verdientermaßen krönte er seine gute Leistung mit dem 1:0.

Fischer reagierte auf den Rückstand indem er mit Polter und Andersson zwei Stoßstürmer für die technisch stärkeren aber kleineren Ingvartsen und Ujah brachte. Letztere zwei haben sich auch nicht wirklich für einen erneuten Startelfeinsatz empfohlen. Auch hier stellt sich in der Folge die Frage warum sich Union die nun vorhandenen Größenvorteile von Polter (1,92m) und Andersson (1,90m) gegenüber Jedvaj (1,84m) und Khedira (1,88m) nicht schon von Beginn an zu Nutze machte. Bereits der erste Standard wurde zur Kopfball-Coproduktion der zwei Stürmer. Torwart Koubek verhinderte mit einem überragenden Reflex auf der Linie das 1:1. Der Tscheche wirkte ansonsten unsicher in der Luft und beim Herauslaufen, stoppte oft ab, verschätzte sich. Dies hängt jedoch auch mit der Verständigung mit seinen Vorderleuten zusammen, außerdem kam Koubek in diesem Sommer neu ins FCA-Team. In der Folge erarbeitete sich Union mehr und mehr ein Chancenplus und kam nach einem bitteren Fehlpass des ansonsten mutigen und aufbauorientieren Jedvaj zum verdienten 1:1.

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