Ligaanalyse

Auftakt der besten zweiten Liga der Welt

  1. AFC Bournemouth
  2. FC Watford
  3. Norwich City
  4. FC Brentford
  5. Bristol City
  6. FC Barnsley
  7. Wycombe Wanderers
  8. Abstiegskampf

Am heutigen Freitag startet die Championship in ihre neue Saison. Neben interessanten und teils unerwarteten Aufsteigern sind auch erfahrene Premier League-Teams mit dabei. Über allem schwebt am Ende die Frage, wer den Sprung ins Oberhaus schafft und wer den bitteren Gang in die League 1 antreten muss. CREATEFOOTBALL wirft einen Blick auf einige der spannendsten Mannschaften für die kommende Spielzeit.

1. AFC Bournemouth

Bei den Cherries stehen die Zeichen auf Umbruch. Viele Spieler des Kaders aus dem vergangenen Jahr sind aufgrund des Abstiegs gehaltstechnisch zu teuer für den Klub und für die zweite Liga schlichtweg überqualifiziert. Neben den bereits fixen Abgängen von Fraser, Ramsdale, Aké, Harry Wilson (dessen Kreativität im Spiel nach vorne es zu ersetzen gilt → 1,8 Schüsse/Spiel; 7 Treffer) und Callum Wilson, stehen auch Lerma, King, Brooks und Lewis Cook vor einem Wechsel. Entscheidend ist aber natürlich der Abgang Eddie Howe’s. Mit ihm verlässt nach über 450 Spielen an der Seitenlinie nicht nur die Person den Verein, die diesen aus der Drittklassigkeit bis in die Premier League geführt hat, sondern auch die Philosophie, die den Klub auf und neben dem Feld so stark machte.

Nach den zahlreichen Abgängen könnten Philip Billing (ZDM) und Diego Rico (LV) nun zu neuen Schlüsselspielern werden. Während etwa Rico besonders für seine Balleroberungen (3,1 abgefangene Bälle/Spiel) und seine Zweikampfstärke (2,3 erfolgreiche Tackles/Spiel) berüchtigt ist, gleichzeitig aber mit 1,2 Schlüsselpässen pro Spiel auch offensive Akzente setzen kann, überzeugt Billing durch seine Kopfballstärke (3,3 gewonnene Luftduelle/Spiel) und seine hohe Laufintensität. Der Vergleich mit West Hams Shootingstar Declan Rice (der in der abgelaufenen PL-Saison keine einzige Minute verpasste) beispielsweise zeigt, dass Billing’s Fähigkeiten gerade in der Defensive, in seinen Laufwegen und in der defensiven Kopfballstärke definitiv nicht zu unterschätzen sind, an seiner Leistung könnte sich die Saison der Cherries entscheiden.

Quelle: Matchmetrics

Einzelne Spieler werden es aber nicht richten können. Trotz hoher Transfereinnahmen wird die erste Saison zurück in Liga zwei für Bournemouth wohl eine zur Eingewöhnung. Die Tatsache, dass man im letzten Jahr die drittmeisten Tore nach Standards erzielte passt zwar gut zur sehr physisch ausgelegten Championship, doch nur 17 Tore aus dem Spiel heraus in 19/20 zeigen die spielerische Schwäche der technisch eigentlich hochveranlagten Truppe. Zudem hapert es an der Umschaltbewegung, da man trotz starken 12,5 Interceptions/Spiel selten einen Konter/Gegenangriff fahren kann. Der Kader ist Stand Anfang September für die Championship nach wie vor überdurchschnittlich gut besetzt, da jedoch noch einige Abgänge drohen erscheint ein direkter Wiederaufstieg aber dennoch äußerst unrealistisch.

2. FC Watford

Die Hornets sind eines der Teams, über dem derzeit noch viele Fragezeichen schweben. Aktuell befinden sich ganze 34 Spieler im Kader, davon sage und schreibe 10 (!) Mittelstürmer. Nachdem Abdoulaye Doucouré die Vicarage Road bereits verlassen hat, wird vieles davon abhängen, wen der FC Watford für Liga zwei halten kann. Um Ismaila Sarr, Gerard Deulofeu, Will Hughes, Troy Deeney und Andre Gray ranken sich einige Gerüchte, wer tatsächlich bleiben wird, ist aber unklar.

Doch selbst wenn Watford keinen Ausverkauf wie etwa Bournemouth befürchten muss, könnte ein größeres Problem an der Seitenlinie stehen. Vladimir Ivic soll die Hornets als vierter Trainer in zwölf Monaten wieder ins Oberhaus führen, coachte bislang allerdings lediglich in Israel und Griechenland. Er wäre nicht der Erste, dem fehlende Erfahrung im englischen Fußball und die kritischen Owner Watfords zum Verhängnis werden könnten – zudem häufen sich bereits Berichte, nach denen seine überaus autoritäre Persönlichkeit für Unmut innerhalb der Mannschaft sorgt. 

Watford agierte im Abstiegsjahr gerade nach Standards wahnsinnig ungefährlich (nur 4 Tore) – und das trotz vieler physisch starker Spieler im Kader. Es fehlt ein kreativer Akteur, der gute Standards treten und so gerade in der Championship für elementare Tore sorgen kann. Ansonsten passt der klassische kick and rush Fußball der Mannschaft (zweitwenigste Dribblings der Premier League (8,4/Spiel, 26% der Angriffe gehen beim zentrumslastigen Spiel Watford’s durch die Mitte über Kapitän Troy Deeney) eigentlich ideal in die robuste Gangart der Liga. Die Hornets müssen hier aber aufpassen, sich damit nicht auf das spielerische Niveau schwächerer Teams zu begeben, die einen ähnlichen Spielstil pflegen. Gerade mit Joao Pedro und Luis Suárez verfügt man über spielstarke Stürmertalente, mit denen im Bedarfsfall vom kick and rush abgewichen werden kann. Wenn dies gelingt, könnte auch ein eigentlich gesetzter Deeney (Everton ist interessiert) obsolet werden, auf den das Spiel in der Vergangenheit zu sehr ausgelegt war. Er wirkt im Spielsystem als Prellbock und Target Man, gewinnt überragende 7.3 Luftzweikämpfe und legte 8 Großchancen für die Nebenmänner auf.

Auch Roberto Pereyra könnte ein entscheidender Faktor werden, nach einer schwachen Saison könnte er mit seiner Kreativität für Watford in Liga zwei ein ähnlicher Schlüsselspieler werden wie etwa Said Benrahma für Brentford im letzten Jahr. Er könnte den Part von Gerard Deulofeu übernehmen, der Spanier ist besonders in Italien und seiner Heimat gefragt.

Das Team nördlich von London bleibt trotz Unsicherheiten in Sachen Kaderplanung natürlich eines der stärksten der Liga, denn ein großer Teil der Spieler ist schon lange beim Verein und wird mit diesem auch den Gang in die Unterklassigkeit antreten. Gepaart mit der Erfahrung Watford’s ist ein Aufstieg trotz einiger Baustellen gerade aufgrund der schwachen Konkurrenz durchaus wahrscheinlich – ein Erreichen der Playoffs erst recht.

3. Norwich City

Eine derart schlechte Saison wie die letzte (21 Punkte) muss natürlich erstmal verdaut werden. Doch auch die Canaries müssen sich im Gegensatz zu Bournemouth wohl nicht sorgen, ihr halbes Stammpersonal zu verlieren. Bis auf Linksverteidiger Jamal Lewis hat das Team um Daniel Farke keine Stammspieler verloren – im Gegenteil: Mit Jordan Hugill und Przemyslaw Placheta hat man den Kader in der Offensive sogar noch verbreitert, während Jamal Lewis mit dem aus Villareal ausgeliehenen Xavi Quintillà ersetzt werden könnte, der bereits 26 Spiele in Spaniens Oberhaus absolviert hat. Gerade Neuzugang Placheta wird versuchen, sich in den Fokus zu spielen. Nachdem der Pole bereits in der U19 RB Leipzig’s und bei Großaspach in der 3. Liga gespielt hatte, wechselte er aus familiären Gründen zurück in seine Heimat, wo er letzte Saison für Slask Wroclaw auf 11 Scorerpunkte kam und besonders durch starke Vorlagen imponierte (9 expected Assists; 0,7 Schlüsselpässe/Spiel). Der 22-jährige ist ein sogenannter „Inside Forward“ – er hält selten die Außenbahn, zieht nach einem Anspiel in der Regel mit Tempo gen Zentrum, wo er wie eben beschrieben über eine gute Übersicht für den Mitspieler verfügt oder selbst zum Abschluss kommt (2,3 Schüsse/Spiel).

Sollte Schlüsselspieler Buendia wechseln, der mit 9 herausgespielten Großchancen (2,3 Schlüsselpässe/Spiel) und 2,8 erfolgreichen Dribblings pro Spiel (Quote von 72%) als einer von wenigen im abgelaufenen PL-Jahr positiv herausstach, wird die Kreativität im Angriff auch von Placheta’s Leistungen und seiner Harmonie mit Pukki & Co. im Sturmzentrum abhängen!

Auch auf jenem Teemu Pukki wird in Sachen direkter Wiederaufstieg große Hoffnung liegen. Unvergessen sind nach wie vor seine 38 Scorerpunkte in der Aufstiegssaison vor zwei Jahren, das aktuell etwas schwächere Gesamtniveau der Championship, sowie die nachwievor spielstarken Kollegen dürften ihm wieder dabei helfen gerade im Strafraum gefährlich oft an den Ball zu kommen (siehe Grafik unten).

Mit Pukki, Neuzugang Hugill (13 Tore für Queens Park in 19/20) und Eigengewächs Adam Idah wird es im Sturmzentrum wohl zu einem großen Konkurrenzkampf kommen, der im Idealfall das Maximum aus den einzelnen Spielern herausholt. 

Der psychologische Aspekt wird nach einer historisch schlechten Saison bei Norwich definitiv eine Rolle spielen, doch je nachdem, wie schnell Farke das Debakel aus den Köpfen seiner Spieler bekommt, ist der direkte Aufstieg, mindestens aber das Erreichen der Playoffs sehr wahrscheinlich.

4. FC Brentford

Den denkbar knapp verpassten Aufstieg in die Premier League (u.a. aufgrund der Niederlage gegen jenen FC Barnsley) hat das Team des FC Brentford um Trainer Thomas Frank inzwischen weitestgehend verkraftet. „Die Mannschaft ist nach wie vor heiß und wir haben dieses Feuer in uns, dieses Jahr etwas besonderes zu schaffen“, verriet etwa Top-Stürmer Ollie Watkins. Und doch verließ das Sturmjuwel London vor wenigen Tagen, um sich Aston Villa und Ex-Coach Dean Smith anzuschließen – auch der Abgang von Dribbelkünstler Said Benrahma in Richtung Oberhaus gilt als nahezu sicher. Zumindest für Watkins hat man mit Ivan Toney (letztjähriger Topscorer der League 1 mit 24 Treffern) auf den ersten Blick schon für Ersatz gesorgt.

In erster Linie stellt sich also die Frage, inwieweit die beiden Starspieler ersetzt werden können. Blickt man auf die Statistiken der zwei Stürmer Watkins und Toney zeigen sich sowohl Gemeinsamkeiten als auch Unterschiede im Spielverständnis. Beide gelten als stark im Abschluss (Toney 5,5 Schüsse/Tor, Watkins 5,1) und überzeugen zudem durch eine ausgeprägte Übersicht (Toney mit 1,7 Schlüsselpässen/Spiel, Watkins mit 1,5). Während Watkins jedoch auch aufgrund seiner Vergangenheit als Flügelspieler deutlich häufiger offensive Räume einnimmt, ist Toney deutlich häufiger direkt im Zentrum anzutreffen (knapp 3 mal so viele Kopfballduelle/Spiel, fast doppelt so viele Torabschlüsse). Zudem ist Toney dank seiner hohen Arbeitsrate häufig auch im Defensivspiel vorzufinden und führt deutlich mehr Zweikämpfe – mit 1,9 Klärungsaktionen pro Spiel und 1,0 erfolgreichen Tackles (Watkins 0,6) hat er hier seinem Vorgänger sogar einiges voraus. Demgegenüber steht zwar eine schwächere Passquote (Toney 66%, Watkins 79%), die gerade beim kurzpassintensiven Offensivspiel der Bees zum Problem werden könnte – doch zuletzt zeigte sich immer häufiger das Problem der unbesetzten Mittelstürmerposition, da Watkins wie beschrieben oft nach außen auswich um sich Bälle abzuholen. Mit Toney sollte das Problem des Zielspielers gelöst sein.

Inwiefern man den Ex-Peterborough Spieler aber als wirklichen Ersatz (auch in Sachen Tore) werten kann muss man abwarten, andernfalls stellen wir euch hier mit Teamkollege Marcus Forss und Stoke‘s Tyrese Campbell zwei weitere mögliche Sturmkandidaten vor: Marcus Forss kam schon 2017 aus dem Nachwuchs von West Bromwich Albion, lief seitdem vor allem für Brentford B auf (Brentfords 2. Mannschaft nimmt an keiner Liga teil, bestreitet dafür Freundschaftsspiele gegen verschiedenste Gegner um die Spieler ans Profiteam heranzuführen). In der Hinrunde 19/20 wurde er nach Wimbledon ausgeliehen, traf in 18 Spielen 11 mal für den damaligen Viertligisten. 7 expected goals bei 11 erzielten zeigen den starken Abschluss des Finnen, 58% seiner Torchancen kann er verwerten (Watkins 31%)! Ähnlich effektiv ist Tyrese Campell (6 expected goals bei 9 erzielten Toren) – der englische U20-Nationalspieler sieht Watkins nicht nur sehr ähnlich, er ist ebenso pfeilschnell, sehr beweglich und mannschaftsdienlich (6 expected assists).

Quelle: Global Soccer Network

Da Thomas Frank unlängst jeden Spieler bis auf Benrahma und Watkins für unverkäuflich erklärt hat, könnte Brentford von einer nie dagewesenen Konstanz in Sachen Kaderzusammensetzung profitieren. Gerade die Vertragsverlängerung von Christian Nörgaard bis 2024, der in seinem

Länderspieldebüt für Dänemark vergangenen Dienstag direkt zum Man of the Match gewählt wurde, ist elementar für eine langfristige Kaderplanung. Zusammen mit Torhüter David Raya und Kapitän Pontus Jansson bildet man eine elementare Achse im Aufbauspiel Brentfords.

Die in diesem Jahr wohl ausbleibende Spielerfluktuation könnte der entscheidende Trumpf im Kampf um den Aufstieg werden. Der Schlüssel zum Erfolg wird außerdem sein, dass auch ohne zwei Drittel des famosen BMW-Trios der offensive Spielwitz beibehalten werden kann, der sich etwa in 53 erzielten Toren aus dem Spiel heraus (Topwert der Championship) oder der hohen Passgenauigkeit von knapp 80% äußert. Wenn das gelingt, steht einem erstmaligen Aufstieg in die Premier League nichts mehr im Wege.

5. Bristol City

Auch in Bristol sehnt man sich nach dem Aufstieg. Doch die Fans der ‘Robins’ blicken trotz einer soliden Spielzeit 19/20 derzeit alles andere als optimistisch in die Zukunft. Denn nachdem die Führungsriege wochenlang einen neuen Trainer suchte, präsentierte man zum Unverständnis der Anhänger den als Cheftrainer weitestgehend unerfahrenen bisherigen Co-Trainer Dean Holden als neuen Übungsleiter, der anders als sein Vorgänger Lee Johnson (4-2-3-1) eher auf ein 3-5-2-System setzt, was unter anderem die Transfers von Steven Sessegnon (Fulham) und Chris Martin (Derby) erklärt.

Dass auch unabhängig der Trainerentscheidung das Ziel ‘Playoff-Plätze’ aber höchstwahrscheinlich verfehlt wird, liegt besonders an der Kaderzusammenstellung. Die teuersten Neuzugänge der Vereinsgeschichte, Innenverteidiger Tomas Kalas und der junge Han-Noah Massengo aus Monaco (in seiner Premierensaison nur 50% gewonnene Zweikämpfe und 0,3 Schlüsselpässe/Spiel), konnten im vergangenen Jahr nicht die gewünschte Leistung abrufen. Mit Chris Martin hat man zwar einen der effizientesten Stürmer in 19/20 (nur 3,5 Schüsse/Tor) verpflichtet, doch gerade das Zentrum ist für die Ansprüche des Klubs nicht ausreichend gut besetzt – daran ändert auch beispielsweise die Verpflichtung Chris Brunt’s von West Bromwich wenig, der in der abgelaufenen Saison lediglich 74 Minuten auf dem Platz stand. Es fehlt ein starker Abräumer auf der Sechs, Adam Nagy kann diese Rolle nicht wirklich ausfüllen, weshalb auch Box-to-Box Spieler Massengo nicht die Freiräume bekommt, die er für seine raumgreifenden Läufe braucht.

Die Hoffnungen liegen besonders auf dem ballstarken Eliasson (19/20 mit 12 Assists die drittmeisten der Liga, zudem die viertmeisten Großchancen (16) herausgespielt) und dem Sturm-Trio aus Wells, Diedhiou und Martin (zusammengenommen 51 Scorerpunkte im letzten Jahr) – wenngleich sich im Fall Eliasson die Frage stellt, wo der Flügelspieler im 3-5-2 Platz finden soll. Gerade Torjäger Diedhiou könnte durch den abgezockten Chris Martin auf die Bank verdrängt werden, in unserer Grafik ist deutlich zu sehen, dass Martin weitaus effizienter und erfolgreicher performt (trotz 10cm Größenunterschied auch in der Luft).

Jamie Patterson dürfte als Spielgestalter gesetzt sein und erhöht die Angriffsoptionen weiter. Im Großen und Ganzen fehlt dem Kader jedoch trotz individuell starker Spieler die Erfahrung und Abgezocktheit, die es in dieser Liga braucht. Anspruch und Wirklichkeit in Bristol liegen zu weit auseinander, ein neues Vereinslogo und eine ambitionierte Agenda machen noch lange keinen Premier League-Aufsteiger. Der Verein wird sicherlich nichts mit dem Abstieg zu tun haben, ernsthafte Hoffnungen auf einen Aufstieg kann es aber auch nicht geben.

6. FC Barnsley

Beim FC Barnsley blickt man ob des unverhofften Klassenerhalts zuversichtlich in die neue Spielzeit. Chefcoach Gerhard Struber hat seit seinem Amtsantritt im November 2019 dem Team den zu dieser Zeit längst verlorenen Glauben an sich selbst zurückgegeben und wird längst von den Anhängern verehrt sowie von anderen Klubs (lange bei Watford im Gespräch) beobachtet. Im Vergleich zu seinen Vorgängern Stendel und Murray (9 Punkte in 17 Spielen) legte der Österreicher mit 12 Siegen und durchschnittlich 1,34 Punkten pro Spiel eine tolle Aufholjagd hin, die im  Klassenerhalt am letzten Spieltag gipfelte. Die Tatsache, dass neben Struber auch der Großteil des Kaders dem FC Barnsley erhalten bleibt, dürfte den ‘Tykes’ berechtigterweise Hoffnung auf eine stabilere Saison 20/21 machen.

Die große Baustelle dürfte aber wohl auch in der kommenden Spielzeit die Offensive werden. Mit 49 Toren stellte Barnsley in 19/20 den zweitschwächsten Angriff der Liga – und das, obwohl man die viertmeisten Schüsse pro Partie abgab. Dies liegt vorrangig daran, dass fast die Hälfte der Abschlüsse von außerhalb des Strafraums erfolgt (6,2/Spiel → höchster Wert aller Teams). Barnsley tat sich in der Vergangenheit schwer, spielerisch in den Sechzehner vorzudringen, da Zehner Cauley Woodrow seine Rolle oftmals eher als zusätzlicher Stürmer sah. Dies soll unter anderem durch die Verpflichtung Dominik Frieser’s (vormals LASK) besser werden. Der inzwischen vierte Österreicher im Kader brilliert mit seiner Flexibilität, er kann praktisch auf der kompletten rechten Außenseite eingesetzt werden und hat in seiner Karriere bereits auf allen möglichen Offensivpositionen gespielt. Durch den Transfer von Jacob Brown zu Stoke (12 Scorerpunkte in 19/20, dazu 1,3 Schlüsselpässe pro Spiel) könnte Frieser aber besonders auf dem rechten Flügel zu Einsätzen kommen. An Brown, dessen Daten für sein Alter wirklich stark scheinen, waren auch die Datenscouts aus Brentford dran – dieser Fakt spricht für sich.

Ansonsten wird es natürlich besonders auf das Trio aus eben genanntem Woodrow, Conor Chaplin und Alex Mowatt ankommen, die im vergangenen Jahr an 42 der 49 Saisontore direkt beteiligt waren. Wenn Struber weiterhin einen so guten Draht zu seinen überwiegend jungen Spielern (Durchschnittsalter 22,0 – zum Vergleich: das zweitjüngste Team der Liga ist Brentford mit 24,2 Jahren im Schnitt) hat und die Truppe auf dem Platz ihr volles Potenzial ausschöpfen kann, steht einer soliden Saison nichts mehr im Wege. 

7. Wycombe Wanderers

So beeindruckend und außergewöhnlich der 1. Aufstieg der Wycombe Wanderers in die Championship auch war (ähnlich unerwartet wie der Aufstieg der Blues 2018 in die League One), so schwierig wird es für das Team um den populären Stürmer Adebayo Akinfenwa wohl, diese Klasse zu halten. Bereits in der abgelaufenen League 1-Saison waren die spielerischen Mittel sehr limitiert, lediglich 44,2% Ballbesitz und magere 55,5% erfolgreiche Pässe über die gesamte Spielzeit (beides die schlechtesten Werte der gesamten Liga!) sprechen eine deutliche Sprache. Wycombe erzielte zudem die wenigsten Tore aller Teams der oberen Tabellenhälfte und fiel mit schwachem Zweikampfverhalten auf nahezu allen Positionen auf. Die „Chairboys“ profitierten besonders von teils unerklärlichen Patzern der Konkurrenz und stiegen durch die coronabedingte Quotientenregelung mit einer mittelmäßigen Tordifferenz von 45:40 (dabei gelangen ihnen gerade einmal 18 Tore aus dem Spiel heraus) am Ende über die Playoffs auf.

Wie bei Watford liegt der Fokus besonders auf dem kick and rush, das sich bei einem bulligen Stürmer wie Akinfenwa natürlich anbietet (knapp 7 Kopfballduelle/Spiel, 5 Kopfballtore). Die Blues erzielten in 19/20 kein einziges Kontertor, 9 Treffer entstammten Elfmetern, 15 Mal netzte man nach Ecken oder Freistößen und befindet sich damit in dieser Kategorie unter den stärksten Mannschaften im letzten Jahr. Vieles wird auch in der Championship an Joe Jacobsen hängen. Der Linksverteidiger, in der League One bester Torschütze Wycombe’s mit 11 Treffern (7 Elfmetertore), gilt als herausragender Flankengeber (2,6 angekommene Flanken/Spiel) und wird weiterhin versuchen, Akinfenwa mit Bällen zu füttern. Außer dem Flankenspiel und langen Bällen ist es um spielerische Möglichkeiten im Team von Gareth Ainsworth eher schlecht bestellt.

Quelle: Matchmetrics

Natürlich gebührt der Mannschaft für den unerwarteten Aufstieg jede Menge Respekt. Doch bei aller Fußballromantik, die in diesem Fall mitschwingt, wird nach Meinung Vieler das Abenteuer Championship für Wycombe nur von kurzer Dauer sein. Neben den angesprochenen spielerischen Baustellen ist auch aufgrund der Kaderzusammenstellung die Hoffnung auf den Klassenerhalt etwas vermessen. Der aktuelle Durchschnittsmarktwert eines Championship-Teams beträgt knapp 53 Millionen Euro – der gesamte Wycombe-Kader ist nur etwas mehr als vier Millionen Euro wert. Der wertvollste Spieler ist Neuzugang Ryan Tafazolli mit einem Marktwert von 600 Tausend Euro. Im Sturmzentrum ist der 38-jährige Akinfenwa der einzige verlässliche Torschütze, seine 10 Tore aus dem Vorjahr wird aber auch er nur schwer wiederholen können. Trotz des Aufstiegs bleiben die finanziellen Mittel begrenzt, eine prinzipiell nötige Großoffensive auf dem Transfermarkt wird nicht stattfinden können. Auch wenn man dieser sympathischen und bodenständigen Truppe den Verbleib in der zweiten Liga wünscht, wird es aus sportlicher Sicht ein unglaublich schweres Unterfangen für Wycombe, dieses Ziel zu erreichen.

8. Abstiegskampf

Neben Wycombe kommt einem beim Thema Abstieg aufgrund des 12 Punkte Abzugs natürlich auch Sheffield Wednesday in den Sinn. Trotz interessanter Transfers scheint der Kader im Gesamten zu schwach, um dieses Handicap aufholen zu können. Auch die Aufsteiger Rotherham und Coventry werden sicherlich zu kämpfen haben, könnten sich aber dank des aktuell schwächeren Liganiveaus am Ende durch Wille und Leidenschaft retten. Bei Rotherham stellt aber gerade die fehlende Kreativität im Offensivspiel eine Gefahr da: In der League 1 Saison 19/20 erzielte Rotherham 25 Standardtreffer, mehr als Tore aus dem Spiel heraus und war dabei besonders von den Kopfballtoren Richard Wood’s und Michael Smith’s abhängig. Große Probleme werden auch bei Huddersfield erwartet. Die potenziellen Leistungsträger um Pritchard, Hogg und Diakhaby befinden sich seit geraumer Zeit im Formtief, mit Mounie (nach Brest transferiert) und Karlan Grant (sehr wahrscheinlich in die Premier League) verlassen 27 von insgesamt 52 Saisontoren den Klub. Und auch die Queens Park Rangers, die seit längerem eine unglaublich löchrige Defensive vorweisen und nach dem Abgang Eberechi Eze’s nun auch an offensiver Schlagkraft verlieren, gelten als potenzieller Abstiegskandidat.

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